Mein Axial Exo – So hab ich ihn lackiert

Alle, die mich nicht total ignorieren, wissen, dass ich seit Anfang des Jahres mit ferngesteuerten Autos (RC-Cars) herumfentere. Das Schrauben und Basteln macht dabei in der Tat genauso viel Freude wie das Fahren und Bashen.

In den letzten Tagen habe ich meinen Axial Exo zum zweiten Mal mit einer neuen Karosserie ausgestattet. Dieses Mal habe ich mich bei der Lackierung der Lexan-Karosserie jedoch weit herausgewagt und mich von den beeindruckenden Bildern anderer Bastler und Racer inspirieren lassen.

Bis auf ein paar klitzekleine Kleinigkeiten – besser geht immer – bin ich mit dem Ergebnis total happy. Das ist mir allerdings nur gelungen ist, weil so viele andere im Web mir mit Text, Bild und Video dazu hervorragende Anleitungen geliefert haben. Daher will ich auch mal meine Erfahrungen in Form eines kleinen How-To niederbloggen.

Vielleicht hilft es ja anderen.

Weißt Du es besser?!

Sollte ich etwas besser machen können oder sogar doofe Tipps geben, solltest Du eine bessere Idee für das ein oder andere haben oder habe ich etwas vergessen? Bitte lass es mich wissen, damit andere davon genau so profitieren können, wie ich von vielen anderen profitiert habe.

Tipps und Kritik an info@last-voice.de oder per Kommentar. Ich tät mich freuen!

So lackiert man ein RC-Car

Geduld! Wenn Du das willst, kannst Du es auch. Doch neben dem Willen, dem richtigen Werkzeug und einem guten Plan benötigst Du vor allem viel Geduld. Durch Hektik geht es nicht schneller. Lass Dir mit allem viel Zeit, dann erreichst Du das beste Ergebnis.

Karosserien für RC-Cars sind aus Lexan. Das ist ein leicht flexibler, aber solider Kunststoff, der eben nicht sofort in Fetzen fliegt, wenn man mal einen Baum trifft, statt der Kurve.

Die Außenseite der Karosserie ist mit einer dünnen, aber sehr fest anliegenden Folie geschützt. Diese lässt Du bist zum Ende drauf und achtest darauf, dass diese unbeschädigt bleibt.

Für die Lackierung habe ich je eine Dose der folgenden Farben von Tamiya verwendet:

  • PS-58 Pearl Klar
  • PS-12 Silber
  • PS-59 Dunkel Metallic Blau Poly
  • PS-5 Schwarz

Ausschneiden der Karosserie

Für viele Modelle muss die gelieferte Karosserie noch ausgeschnitten werden. Die Schnittkante wird dafür durch eine dünn eingeprägte Linie deutlich gemacht. Warum man das selbst machen muss, hat sich mir bis heute noch nicht erschlossen. Vielleicht nur, damit der Bastler auch viel zu basteln hat.

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Für Lexan-Karosserien bedarf es einer Lexan-Schere. Logisch, oder?

Für das Ausschneiden ist unbedingt eine spezielle Lexan-Schere erforderlich, die aber nicht die Welt kostet. Dem Zeug ist mit einer normalen Schere nicht beizukommen.

Hier ist bereits zu Anfang Geduld und eine ruhige Hand gefragt, denn ein verpatzter Schnitt und es ist doof gelaufen.

Die eher kleine Schere hinterlässt dabei Schnittkanten, die Du nachher glatt und rund schleifen musst. Das geht bestimmt mit Zeit und Schleifpapier, ein Dremel ist hier aber das Werkzeug erster Wahl.

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Mit einem Dremel glättest Du die Schnittkanten.

Damit Kratzer sich auch nicht sofort im Lack bemerkbar machen, gibt es einen ganz einfachen Trick, wie man die transparenten Karosserien am  besten lackiert. Nämlich von innen.

Dafür muss man umdenken, sofern man mit mehr als einer Farbe arbeiten möchte. Das Abkleben funktioniert dann logischerweise umgekehrt. Die oberste Schicht wird zuerst lackiert.

Die Außenseite wird dabei durch die Folie geschützt, die hoffentlich immer noch unbeschädigt ist. Du wirst später staunen, wie schön Deine Karosserie wirklich ist, wenn Du die Folie abziehst und alles in Glanz erstrahlt.

Und wenn Du obendrein noch so verrückt bist wie ich, und mit Perleffekten angeben willst, dann ist es sehr sinnvoll, Deine Lackier-Idee zuerst an Resten der Karosserie  auszuprobieren.

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Du solltest Deine Farben vorher an Karosserieresten testen.

Denk dran: Wir lackieren die Karosserie später von innen und da hast Du genau nur eine Chance.

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Zufrieden mit den Probelackierungen?

Fett ist ein Gegner

Fett und insbesondere Fingerabdrücke sind Dein Feind. Daher solltest Du die Karosserie vor dem Abkleben und Lackieren unbedingt mit lauwarmen Wasser mit herkömmlichen Spülmittel auswaschen und mit weichen Tüchern trocknen.

Danach sind Griffe in die Karosserie streng verboten.

Abkleben

Für den Fall, dass Du Dein RC-Car mehrfarbig lackieren möchtest, ist nun Abkleben an der Reihe.

Hier solltest Du wenn möglich darauf achten, die dunklen Farben zuerst zu lackieren, da alle weiteren Farben ja später darüber darunter gesprüht werden. Und dunkle Farben unter hellen Farben schmäler deren Leuchtkraft.

In meinem Fall war das jedoch weder möglich noch nötig. Ich hatte mich für abzuklebenden Flächen entschieden, die zum Teil dem „Relief“ der Karosserie entsprachen, und da war es wesentlich einfacher, zuerst das helle Silber zu sprühen.

Da ich mich sowieso für ein dunkles Design entschieden hatte: Kein Problem.

Solltest Du Dein RC-Car aber in leuchtenden Farben lackieren wollen, ist die Reihenfolge von dunkel nach hell dringend einzuhalten.

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Alles außer der ersten Farbe wird abgeklebt.

Für das Abkleben solltest Du dafür geeignetes Klebeband aus dem Modellbau nehmen. Normales Klebeband aus dem Malerfachgeschäft garantiert keine glatten Kanten in der Miniaturwelt.

Gerade Kanten kannst Du im Idealfall direkt mit dem Klebeband abkleben, ansonsten klebst Du großflächig ab und schneidest die Kontur mit einem scharfen(!) Cuttermesser aus.

Keine Sorge vor leichten Kratzern in der Karosse. Sollte Dir das mal passieren, wirst Du die im lackierten Modell kaum wiedersehen. Dennoch: Geduld ist auch hier der beste Rat.

Zuerst die Perlen

Da ich mich weit herausgewagt hatte, war zuerst der Perl-Effekt dran: Eine durchsichtige Schicht Lack, die der Oberfläche einen besonderen Glanz bescheren soll.

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Zuerst der fast durchsichtige Perl-Effekt

Auch wenn ich den Perl-Effekt über die komplette Karosserie haben wollte, habe ich mich dennoch dazu entschieden, das nicht vor dem Abkleben zu machen. Ich war mir nicht sicher, ob das Abkleben auf dem aufgesprühten Lack so gut funktionieren würde wie auf der blanken Innenseite.

Das kostete mich etwas mehr Zeit, aber das ist ja auch der große Bruder von Geduld.

Keller oder Garten

Ich kann nicht alles wissen.

Beim Lackieren im Keller legt sich ein Quadratkilometer großer feiner Teppich über alles im Raum, der erst später sichtbar wird.

Beim Lackieren im Garten fängt Dein frischer Lack gerne mal ein Insekt ein, dass dann für immer zu Deinem Auto gehört und bei jeder Spazierfahrt dabei ist. Leider meistens auch an prominenter Stelle im Lack.

Warme Dosen, gutes Schütteln, 30 cm und 15 Minuten Pausen

Die einzig wirklich in Frage kommende Farbe, die du verwenden solltest, ist Lexan-Farbe, denn diese bleibt nach dem Austrocknen flexible und springt nicht auf. Normaler Lack hingegen würde bei der Verwindung und Verbiegung der Karosserie aufspringen und schon wäre Deine Arbeit nur noch die Hälfte wert.

Glaubt mir, ich weiß das ;)

Die Farbdose solltest du vor dem Aufsprühen etwas aufwärmen, Perfektionisten halten 40 bis 45 Grad Celsius für optimal. Damit wird die Sprühfarbe besonders nebelig und fein.

Wenn Ihr es nicht weitersagt, verrate ich Euch aber, dass ich darauf verzichtet habe, denn eine Farbdose im Wasserbad war mir dann echt zu krass. Vielleicht beim nächsten Mal.

In jedem Fall muss die Dose aber vor dem Sprühen geschüttelt werden, bis Dir schwindelig ist.

Die Farbe sollte mit einem gleichmäßigen Sprühstoß aus ca. 30 cm Entfernung aufgetragen werden, wobei Du die Dose dabei ständig bewegen solltest.

Die erste Schicht sollte wirklich sehr dünn sein, die zweite darf dann etwas dichter werden. Das wiederholst du, bis die Farbschicht Deiner Meinung nach dicht und gleichmäßig genug ist.

Ich habe zwei Schichten Perl-Effekt aufgetragen. Das genügte mir.

Zwischen zwei Sprüh-Gängen lasse ich immer mindestens 15 Minuten Pause, es ist auch kein Problem wenn das mal über eine Stunde wird.

Hatte ich schon von Geduld gesprochen?

Nun aber echte Farbe

Die erste, echte Farbe ist an der Reihe. Mein Axial Exo soll blau und silbern werden, und wie oben bereits erwähnt, bin ich bei verschiedenen Karosserieteilen mit unterschiedlichen Farben angefangen.

Bei Silber genügten drei Schichten, bei blau habe ich zur Sicherheit noch eine vierte nachgelegt.

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Die erste Farbschicht ist solide aufgetragen.

Das habe ich dann über Nacht liegen gelassen, damit die Farbe austrocknen konnte.

Am nächsten Morgen konnte ich dann vorsichtig das Klebeband entfernen, dabei darauf achten, die Folie nicht zu beschädigen und feststellen, ob mein Plan aufging.

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Hinter dem Klebeband sollte alles klar sein.

Irgendwas ist immer. Ein paar wenige, kleine Macken, die vermutlich keiner sieht außer ich. Damit kann man leben. Und ich bin ja kein Profi.

Profis haben noch mehr Geduld, arbeiten mit Kompressoren statt mit Dosen, und haben etwas, das ich erst noch sammeln muss: Erfahrung. Können kommt von Üben.

Dennoch: Ich war bereits jetzt schon stolz.

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Klare Kanten und Mini-Macken nach dem Entfernen des Klebebandes

Jetzt kam der Teil, den ich immer noch sehr interessant finde: Die zweite Schicht kann einfach vollflächig aufgetragen werden, denn wir lackieren ja von innen.

Also wieder: drei Schichten Silber und vier Schichten Blau. Diesmal nur die jeweils anderen Teile. Vorher aber nicht vergessen: zwei Schichten Perl-Effekt.

Ein paar wenige Stunden später lagen nun zwei bzw. drei Schichten Farbe auf der Innenseite der Karosserie, aber ich war noch nicht fertig.

Im Web hatte ich von einem anderen Flitzerfahrer den Tipp gelesen, das Ganze noch mit einer abschließenden Schicht zu unterlegen. Bei leuchtenden, hellen Farben sollte die unterste Schicht weiß sein, in meinem Fall also schwarz.

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Alles ist lackiert und wartet auf Montage.

Zum Schluss gab es also noch zwei Schichten schwarz über unter alles und mit dem Lackieren war endgültig Schluss.

Ich habe übrigens je Farbe nur jeweils eine Dose (100 ml) gekauft und keine davon ist leer geworden. Allerdings hat der Axial Exo als Buggy auch keine Vollkarosserie, also auch weniger Fläche als ein normales RC-Car.

Die Montage

Je nach Modell muss nun gebohrt werden, oder nicht. Ich musste Bohren.

Die Karosserie hatte seit dem letzten Sprühgang vier Stunden Zeit zu trocknen und der vorsichtige Bastler darf dann wieder ran.

Wäre mir nicht kürzlich mein 2,5 mm Bohrer abgebrochen, wäre es auch nur noch 30 Minuten bis zum Moment der Entzückung gewesen, aber der fehlte nun plötzlich. Ein kurzer Ausritt in die Nachbarschaft verschonte mich dann aber vor einem Abend voller Frust und übermäßig notwendiger Geduld.

Ich bohrte.

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20 Löcher mit 2,5 mm und 2 Löcher mit 6 mm

 

Nun kommt endlich der Moment, in dem Du die milchige Folie abmachen darfst und Dein Werk in vollem Umfang sichtbar wird. Das ist ohne Frage ein kleines RC-Fest.

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Ab mit der Folie und fertig machen zum Tanz

Der Abschlusstanz

Da sitzt Du nun vor Deinem Auto, lässt es auf dem Drehteller eine Runde nach der anderen drehen – natürlich anmutig langsam – und bist happy. Und stolz.

Zu schade, dass Du Deinen Flitzer in kürze schon wieder durch Wind und Wetter, durch Kies und Schotter, durch Staub und Pfützen jagen wirst.

Das wird toll!

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Ein schönes RC-Car, ein schöner Moment …

Fast fertig

Doch dann fiel mir ein, dass da noch etwas war.

Mit der Karosserie bekommst Du in den meisten Fällen auch jede Menge Aufkleber für den total realistischen Look.

Die kommen auch oft mit Zubehör. Ich habe zum Beispiel Stoßdämpfer von Proline, einen Servo von Savöx und eine Fernsteuerung von Spektrum nachgerüstet. Bei allen, wie bei der Karosserie, lag eine kleine Palette Aufkleber dabei, damit Dein RC-Car auch mit der Ausstattung richtig fett angeben kann.

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Wer die Aufkleberwahl hat, hat die Aufkleberqual.

Aber welcher Aufkleber wohin? Auch hier hast Du ja meistens nur eine Chance. Wie bei so vielen Fragen hilft Dir auch hier das weltweite Totalarchiv Internet. Such einfach nach Bildern Deines Modells und lass Dich von den kreativen und gelungenen Arbeiten anderer inspirieren.

Es lebe das Web!

Genau wie bei dem Lackieren gilt auch hier: Fett ist Dein Feind! Auf keinen Fall solltest Du die oft transparenten Aufkleber auf der Klebeseite irgendwie mit Deinem nie ganz fettfreien Körper berühren. Da wird jeder Fingerabdruck sofort zum Schandfleck.

Ich habe das so gemacht, dass ich die Aufkleber mit dem Bastelmesser abgenommen und an Ort und Stelle geführt habe. Das hat super funktioniert.

Und erst wenn der letzte Aufkleber an Ort und Stelle ist, erst dann hast Du es geschafft.

Mein neuer Axial Exo

Axial Exo - so habe ich ihn lackiert

Und jetzt?

5 Gedanken zu „Mein Axial Exo – So hab ich ihn lackiert“

  1. Sehr schön geworden!
    Und die erste Fahrt hat er doch ganz gut überstanden :-)
    Mein am10sc war eben duschen und ich habe ihm eine Ölmaske verpasst ;-)

  2. Ist schick geworden! Mit Geduld und Spucke…
    Was für ein Öl nehmt ihr denn für die Konservierung? Ich hab von den Fahrrädern her eins. Ob das wohl geht? Das ist speziell zum Reinigen und Konservieren.

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