Der Tag nach dem Tag als ich eigentlich einen Haken dran gemacht hatte

Gestern habe ich bereits einen Haken an die Sache gemacht.

Ebenso habe ich gestern zum Ende des Tages auch festgestellt, dass die gemachte Erfahrung eine wunderbare Fallstudie für vielerlei Themen rund um die alten und neuen Medien geboten hatte.

Die alten Medien stehen hier für alles, was gedruckt wird. Die neuen Medien stehen weitestgehend für das erst vielleicht 25 Jahre alte Internet.

Ich habe gestern unmittelbar miterleben dürfen, wie Fehler gemacht werden, wie darauf reagiert wird, wie Deeskalation aussehen sollte, und wie wir innerhalb von nur 12 Stunden einen Haken drangemacht haben.

Dennoch: Es gibt einiges, dass darüber hinaus geht und ging. Genau deshalb sitze ich also erneut an der Tastatur, habe die über den Tag hinweg gesammelten Notizen neben mir liegen und möchte noch einiges loswerden.

Was bisher geschah

Gestern hat die Neue Westfälische den Namen unserer Internetagentur code-x in einem großen Beitrag mehrfach so geschrieben: KotX. Das fand ich scheiße und damit war ich nicht allein.

Via SMS, Facebook, Twitter, E-Mail, Telefon und persönlichen Gesprächen bestimmte dieser Schreibfehler meinen Tag von 6:45 Uhr bis in den Abend. Für ein paar Stunden war ich nicht mehr dazu in der Lage, allen und allem zu folgen. Es war enorm viel los. Zu viel.

Insbesondere die wiederholt fragwürdigen Reaktionen der Online-Akteure der Neuen Westfälischen hatten dazu beigetragen, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen kam und keine Ruhe eintreten konnte.

Kurz nach 14:00 Uhr rief mich aber der Leiter der Redaktion an, hat sich Zeit genommen und sich in einem prima Gespräch mehr als ordentlich entschuldigt.

Also: Haken dran.

Die Geschichte gibt es im gestrigen Blogpost mehr zu lesen.

Haken wo dran?

Die vorübergehende Doofheit wurde gestern in einigen hundert Posts, Tweets und Kommentaren bewertet. Von „Menschen machen doch auch mal Fehler.“ bis zu „Skandal! Sofort zum Anwalt!“ war alles dabei.

Ich lege immer wieder großen Wert darauf, dass für mich Schuld etwas ist, das in die Kirche gehört und dort auch gerne bleiben darf. Genau wie Buße oder Sühne. Schuldfragen sind immer auch Machtfragen. Nichts für mich. Hilft niemanden.

Vielmehr hoffe ich, dass mir mit großem Herz, gnädiger Milde und auch mit menschelndem Humor begegnet wird, wenn ich meine Böcke schieße, echten Mist baue.

Kant, eben.

Die Neue Westfälische hat sich bei mir entschuldigt. Entschuldigung angenommen. Haken dran.

Durfte nicht passieren. Ist passiert. Kann passieren.

Den Rest regelt sowieso das Universum. Not my job.

Das war es aber noch nicht

In der für heute zugesagten Berichtigung, die gleichermaßen sichtbar wie übersichtlich war, wurde code-x dann richtig geschrieben.

Ein anderer saublöder, grammatikalischer Fehler, der sich da allerdings eingeschlichen hat, lässt erneut staunen.

Genau so wie folgendes Statement im gestrigen Dialog: Die Redaktion behält sich mit voller Absicht vor, Unternehmensnamen so zu schreiben, wie man es für richtig hält.

Aus code-x wird dann Code-X. Aus aXon wird Axon. Aus neam wird Neam. Aus PaderSprinter wird Padersprinter.

Man wüsste, so sagen sie, dass das den Unternehmen nicht unbedingt gefiele, aber man denke an die (zahlenden) Leser, deren Lesefluss durch komische, seltsame, absurde Schreibweisen nicht unterbrochen werden solle.

Namen wie code-x, PaderSprinter, VegaSystems u.v.m. schrecken ab und verdauen sich deutlich schlechter als Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Stute oder Heinz Nixdorf MuseumsForum.

Moment mal, wie schreiben die in der Neuen Westfälischen wohl HNF in Langform. Moment, ich schaue mal nach …

[ Pause ]

Stichprobe beendet: Sie schreiben Heinz Nixdorf Museumsforum. Also auch falsch.

Aber richtig im Sinne der Leser, die ja ohne weiteres nachvollziehen können, dass man das in der Zeitung ganz anders liest, als auf den ganzen Schildern in der Stadt, in den Prospekten, Veranstaltungskalendern und überall. Auch überall im Internet. Überall, außer in der Zeitung.

Jedenfalls konnte ich die Neue Westfälische gestern davon überzeugen, bei der heutigen Berichtigung die Namen meiner Agentur und der anderen Unternehmen richtig zu schreiben. Den Gefallen wolle man mir tun.

Die ganzen PNs, E-Mails, Kommentare, Posts und Tweets über Code-X hätte ich heute auch nicht ertragen. (Fast) alle wissen seit 20 Jahren, dass wir code-x sind.

Also jetzt doch kein Einzelfall?

Dass ein Schreibfehler in der Lokalpresse kein Einzelfall ist, haben gestern auch bestimmt einige Dutzend ehemals Betroffene zum Ausdruck gebracht. Das wird begleitet von einer gestern ebenfalls oft behauptete Tendenz der Qualitätserosion in den lokalen Redaktionen.

Naja, hat sich dann ja heute direkt in der Berichtigung bestätigt.

Durfte nicht passieren. Ist passiert. Kann passieren.

Aber ich habe sehr gute Nachrichten für die Neue Westfälische:

Ihr seid nicht allein. Heute hat die LZ, die Lippische Landes-Zeitung nachgelegt und uns ebenfalls diesen Scheißnamen gegeben. Den aus der Fäkalsprache.

Qualitätsjournalismus
Lippische Landes-Zeitung // 27. August 2016 // Auch deren Redaktion und Qualitätssicherung stolpert nicht über Fäkalien

So fühle ich mich nun also – in dieser Geschichte darf ich das so sagen – total gearscht.

Jetzt: Rant!

Vor kurzem ist in einem menschlichen Gehirn eines Schreibers die Idee entstanden, dass man den Namen unserer Agentur, die sich [englisch] code-x ausspricht, so schreiben müsse: KotX. Nichts in diesem wohl noch in der analen Phase feststeckendem Gehirn war sich zu wundern bereit.

Wenn der Buchstabenpermutierer, der das gestern verbockt hat, und dessen zum Himmel schreiende Fehlschreibung über Stunden ernsthaft durch das gute Funktionieren von Autokorrekturen entschuldigt werden sollte, Ja, wenn der Typ gestern abend nicht über alle denkbaren Kanäle Alarm geschlagen hat, um alle Empfänger seines Verteilers über seinen Scheiß zu informieren und weitere Veröffentlichungen zu verhindern, Ja, dann soll mir noch einer kommen mit Qualitätsjournalismus oder sonst welchen Argumenten für den Verbleib der ganzen Schützenfest-Informations-Blätter.

Was hat der gestern gemacht, nachdem die Scheiße explodiert ist? Albern gekichert und seiner Autokorrektur weitere Phantasiebegriffe aus dem Reich der Fäkalsprache beigebracht?

Jetzt darf und muss ich also auch noch die LZ um Entschuldigung bitten, bitte schön?! Damit die den selben Volontär zusammenfalten, der vermutlich gestern bereits ganz kleine Brötchen backen musste. Nur weil man weder Kohle noch Lust hat, ausgebildete Journalisten, PR-Kenner oder dergleichen zu einem mittelständischen Event zu schicken.

Dann bleibt doch beim nächsten Mal ganz weg, wenn ihr euch nicht einmal dafür interessiert, wie wir heißen, und wenn eure Qualitäts-Finger am Ende nur noch dazu in der Lage sind, auf Praktikanten und Autokorrekturen zu zeigen. Um damit direkt am nächsten Tag wieder zu demonstrieren, dass selbst Ihr eigentlich keinen Bock mehr habt und nicht wisst, wie lange das noch klappen soll. Das Geschäft mit den paar Abonnenten, die code-x, Heinz Nixdorf MuseumsForum und PaderSprinter nicht lesen können.

Es ist noch nicht vorbei

Nachdem ich gestern für mich einen Haken dranmachen wollte, nahmen auch heute die Kommentare im Web nicht ab. Es kommen immer wieder neue hinzu.

Heute wiederholte sich außerdem die unfassbare Gehirnlosigkeit in einer auflagenstarken Zeitung im Kreis Lippe.

Der beschissene Name, den ihr uns angedichtet habt, wird uns vermutlich viele Jahre verfolgen. Ich ja auch total lustig. Gnihihi.

Es gibt dann oben drauf noch die klare Absicht, den Namen unserer Agentur und viele, viele andere weiterhin respektlos falsch zu schreiben. Der wortklapprigen Leser wegen.

Beruflich erwarten mich sicher weitere Versuche der Blätter, unsere Agentur als Anzeigenkunde zu gewinnen. Schließlich gibt es manchmal ganz günstig ein paar Spalten.

Privat werden wir vermutlich weiterhin alle paar Wochen angerufen und von Kräften, die ihre Haushaltskasse aufpeppen möchten, ungekonnt gebeten, doch bitte, bitte, bitte ein Abo abzuschließen.

Haken dran?

Wegen mir gerne.

Aber es ist noch nicht vorbei.

3 Gedanken zu „Der Tag nach dem Tag als ich eigentlich einen Haken dran gemacht hatte“

  1. Es gibt keine schlechte Presse, oder wie sagt man? Denke, es hängt jetzt allein von euch ab, wie ihr mit der Unwissenheit, Unvernunft und Unfähigkeit (oder dem Unwollen) anderer umgeht.

  2. Ich bin echt auf Deine Reaktion gespannt, wenn Dich jemand von nem Zeitungsstand in der Stadt anspricht, um Dir ein Abo zu verkaufen :)

  3. Haken dran? Ja, das wäre schön gewesen – und auch sehr großzügig von Dir. Ich kann das leider nicht, ich rege mich immer auf, wenn Leute ihren Job nicht machen. Und die so genannten Qualitätsjournalisten der Lokalpresse, die machen eben nicht ihren Job, sondern pfuschen rum. Da sind falsch geschriebene Firmennamen nur die Spitze des Eisbergs. Ich habe schon mehrfach trotz korrektem Briefing haarsträubende inhaltliche Fehler lesen müssen oder erlebt, dass man ganz ohne Bitte um Stellungnahme einfach berichtet, was man vorher schlecht recherchiert hatte. Seit ich das weiß, lese ich die Tageszeitung mit anderen Augen. Schade eigentlich…

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